Fakt ist: Fast alles hat Potenzial für Upcycling.
Eine meiner jüngsten Workshop-TeilnehmerInnen, eine Zehnjährige, sah mich letztes Jahr einmal prüfend an und fragte: Nähst du dir deine Outfits eigentlich alle selber? Ich trug zwar einen selbstgenähten Pulli und habe mir im Laufe der Jahre viele Sachen geschneidert, musste aber verneinen. Ich ging damals immer noch gerne shoppen, nicht wahllos natürlich, aber doch. Warum eigentlich? Wer selber macht, weiß, woher alles kommt, hat Blood, Sweat and Tears in die Herstellung gesteckt und schätzt das Produkt seiner Hände Arbeit dementsprechend. Inzwischen konsumiere ich kaum mehr Fast Fashion, aber ich habe mir vorgenommen, (noch) weniger zu kaufen – weniger Kleidung und auch weniger Stoffe.
Refashion or no fashion
Jeans. Von denen lässt sich alles verwerten: die Hosenbeine, irgendwann abgeschnittene Säume, der Bund, die Gürtelschlaufen, die Vorder- und Gesäßtasche, die Knopfleiste … Es gibt unzählige Ideen für das Upcycling von Jeans im Netz, aber auch in der österreichischen Kleidermacherszene.
Am liebsten trenne ich die Doppelnähte auf, an ihrer Stelle gibt es dann den schönen ausgebleichten Washed-Effekt. Aber umweltfreundlich! Hier (siehe Bild) habe ich vor kurzem zig Kleinteile zusammen- bzw. aufeinandergenäht und zu einem Rechteck zurecht geschnitten. Was daraus wird, weiß ich noch nicht (ihr kennt das sicher: manche Projekte brauchen Zeit, um zu reifen …)

Unspektakuläre Textilien wie dicke Vorhänge, ungeliebte Polsterüberzüge oder alte Bettwäsche. Die sind meist robust und eignen sich gut für Taschen, ob als Rückseite oder für das Innenleben. Wie zum Beispiel der Teil in beige:

Alte Kleidung, die nicht mehr gefällt. Shirts lassen sich einfach verändern: den Ausschnitt vergrößern, Ärmel abschneiden oder zu ärmellos umfunktionieren, am Saum ein Bündchen oder eine Passe annähen, und schon wirkt ein Oberteil ganz anders. Warum nicht Blusen oder Hemden „croppen“ oder den Kragen abnehmen?
Kürzlich habe ich ein uraltes Spaghetti-Top upgepimpt (leider vergessen, ein Vorher-Foto zu machen). Das zweilagige Teil hatte einen runden Ausschnitt, war mir viel zu bauschig und ballonartig, aber das Zebramuster gefiel mir. Also habe ich das Top an der oberen Kante auseinander geschnitten, den überschüssigen Oberstoff bis auf einen Flatterstreifen gestrafft, festgesteppt und die Kanten mit einem schwarzen Jersey eingefasst. Sieht doch gleich besser aus!

Hosen, die man nicht mehr anziehen mag, weil sie zu schmal geschnitten sind, erhalten durch das Einsetzen eines Keils einen edgy 70’s-Look.

Kleider. Werden zu Röcken oder zu Zweiteilern oder …. Das Blusenshirt im Bild war einmal ein bodenlanges Kleid, die untere Hälfte lebt an einem anderen Ort als Rock weiter. Der schwarze Jersey bringt die Bluse auf Figur und macht sie durch den Kontrast zum Hingucker.

Und überhaupt, ganz wichtig: Nicht immer kommt der zündende Einfall auf Knopfdruck. Ganz im Gegenteil! Manchmal spießt alles und es hilft nur, sich einem ganz anderen Thema zu widmen. Und dann, vielleicht beim Schlangestehen an der Supermarktkasse einen Tag später, hast du plötzlich glasklar vor Augen, wie du bei deinem Projekt vorankommst.













